Gerne wieder!

Lesung mit Wasserglas

18. Februar 2014
von Tibor Rácskai
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Guter Gastgeber

Die unglaubwürdigste Ausrede, leere Flaschen nicht, wie sich′s gehört, zum Container bringen zu müssen, fand einmal ein junger Mann aus der Wohngemeinschaft, in der ich damals lebte. Er hatte nämlich die Angewohnheit, die Reste seiner allwöchentlich stattfindenden Orgien nicht zu beseitigen, sondern in der Küche zu stapeln. Darum gebeten, wenigstens die Pfandflaschen zurückzubringen, lehnte er dieses Ansinnen brüsk ab, weil er, wie er sagte, gerne ein paar leere Flaschen im Haus habe, falls einer seiner Gäste nichts trinken wolle.

17. November 2013
von Tibor Rácskai
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Dem Tod ist alles gleich

Als wir in der 9. Klasse die KZ-Gedenkstätte in Dachau besuchten, war es Winter und der Schnee lag einen halben Meter hoch auf dem Appellplatz. Unser Lehrer fand, dass das so viel anschaulicher sei als im Sommer und tatsächlich froren wir wie die Schneider, besonders einige Mädchen, die die Anweisung, auf feste Schuhe und warme Kleidung zu achten in den Wind geschlagen hatten, der ihnen nun eisig um die Ohren pfiff. Wir besichtigten gerade das Krematorium, da brach D. in Tränen aus. Ihre Freundinnen versuchten sie zu trösten, aber D. heulte noch auf der Rückfahrt im Bus. Der Lehrer griff sich das Mikro und sagte ein paar kluge und mitfühlende Worte von Schuld und Verantwortung, als ihm endlich jemand steckte, dass D. nur deshalb heule, weil vorhin ihr Tamagotchi verreckt sei. Seinen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.

2. Oktober 2013
von Tibor Rácskai
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Pech gehabt

Als ich jung war, da wollte ich später einmal um keinen Preis einen nine-to-five-job haben. Leider ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, denn heute gehe ich einem acht-bis-es-wird-ein-bisschen-später-Job nach.