Gerne wieder!

Lesung mit Wasserglas

17. November 2013
von Tibor Rácskai
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Dem Tod ist alles gleich

Als wir in der 9. Klasse die KZ-Gedenkstätte in Dachau besuchten, war es Winter und der Schnee lag einen halben Meter hoch auf dem Appellplatz. Unser Lehrer fand, dass das so viel anschaulicher sei als im Sommer und tatsächlich froren wir wie die Schneider, besonders einige Mädchen, die die Anweisung, auf feste Schuhe und warme Kleidung zu achten in den Wind geschlagen hatten, der ihnen nun eisig um die Ohren pfiff. Wir besichtigten gerade das Krematorium, da brach D. in Tränen aus. Ihre Freundinnen versuchten sie zu trösten, aber D. heulte noch auf der Rückfahrt im Bus. Der Lehrer griff sich das Mikro und sagte ein paar kluge und mitfühlende Worte von Schuld und Verantwortung, als ihm endlich jemand steckte, dass D. nur deshalb heule, weil vorhin ihr Tamagotchi verreckt sei. Seinen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.

24. Oktober 2013
von Peter P. Neuhaus
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Betreff:
Ihre unverlangte Manuskript-Einsendung vom 17.10.1833

Sehr geehrter Georg B.,
Sie schickten uns Ihr Exposé.

Also, was Sie da so schreiben –
lassen Sie es lieber bleiben!

Alles Mist! Vor allem jener
Kinderkram Leonce und Lena.

Ein Witz, und keiner von den besten:
das mit den Hütten und Palästen.

Ihre Woyzeck-Textcollage?
Hammerharte Vollblamage!

Und das Ding von Dantons Tod:
völlig kopflos, trocken Brot.

Nein, das alles ist ein Graus.
Spannen Sie mal tüchtig aus!

Sie sollten sich den Geist erfrischen.
Machen Sie doch was mit Fischen!

Jedenfalls: Für diesen Scheiß
gibt es nie den Büchnerpreis.

2. Oktober 2013
von Tibor Rácskai
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Pech gehabt

Als ich jung war, da wollte ich später einmal um keinen Preis einen nine-to-five-job haben. Leider ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, denn heute gehe ich einem acht-bis-es-wird-ein-bisschen-später-Job nach.

1. Oktober 2013
von Peter P. Neuhaus
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Do It Yourself

Regel 1: Gedicht ist gut,
wenn es sich schön reimen tut.

Regel 2: Es ist Gedicht,
wenn es Verse hat. Sonst nicht.

Regel 3: Ob Hebung, Senkung –
Kunst liegt in der Selbstbeschränkung.

Regel 4: Was man Dir tu,
reim auch jedem Andren zu.

Regel 5: Wird es Sonett,
kriegst Du alle Frau’n ins Bett.

Regel 6: Verrat ich nicht,
sonst schreibst Du bald auch Gedicht.

Regel 7: Alles klar,
wenn das Thema gut und wahr.

Regel 8: Mach es schön kurz.

29. September 2013
von Peter P. Neuhaus
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Dienstleistungsgesellschaft

Auf meine Frage, ob denn nun endlich die längst überfällige Neuübersetzung von Thomas Manns „Buddenbrooks“ erschienen sei, schaut die Buchhändlerin zunächst im Computer nach, schüttelt dann den Kopf und blickt mich lächelnd an: „Ich frag da mal nach, wollen Sie morgen nochmal wieder reinkommen?“ Aber gern.