Gerne wieder!

Lesung mit Wasserglas

29. März 2015
von Peter P. Neuhaus
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Hurra, es ist ein Preis!

Er hat sich getraut und es hat sich gelohnt: Peter P. Neuhaus stieg am 20. März 2015 in Ennigerloh in den Ring, um den „Ennigerloher Dichtungsring 2015″ zu gewinnen – und hat ihn gewonnen. Potztausend.

„Veni, legi, vici!“ lallte der sympathische Altsprachler nach dem Wettkampf gegen 5 AutorInnen aus NRW, den er nicht zuletzt aufgrund seiner Dschihadismus- und Untenrum-Gedichte für sich entscheiden konnte.

„Gib dem Publikum, was es will!“ So fasste Neuhaus sein Erfolgsrezept zusammen, nachdem er die wunderschöne und wertvolle Trophäe aus den Händen der Vorsitzenden des Vereins „Alte Brennerei Schwake e.V.“ überreicht bekommen und nach Menden überführt hatte.

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Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft der Trophäe auf dem Lande.

Die Trophäe wird von nun an bei jeder Lesung mit dabei sein, denn: „Ein Preisträger steht natürlich zu seinen ehrlichen Erfolgen. So wie Ben Johnson und Erik Zabel!“, zwinkerte der Sauerländer und küsste einmal mehr die silberne Plakette am Granitfuß des Dichtungsrings.

Mehr zum Wettbewerb und zum Sieg in Ennigerloh kann man hier lesen.

19. April 2014
von Peter P. Neuhaus
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Tierisch gut

Vögel tölpeln durch die Blätter
Hasen schlingern durch den Hain
Bieber raspeln dünne Bretter
Eichhorn lässt das Rauchen sein

Schnurrend legt das Lamm sich nieder
Leise summt und brummt die Kuh
Kranich kaltpresst sein Gefieder
Seelig schlummert Känguruh

Freundlich grüßt die Winselstute
Buckelnd gähnt die kleine Katz
Bernhardiner hebt die Rute
Eule rechtschreibt einen Satz

Unsereins nimmt KaffeeKuchen
nach dem Gang durch die Natur
Wollte dort nach Fehlern suchen
Doch von Fehlern keine Spur

18. Februar 2014
von Tibor Rácskai
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Guter Gastgeber

Die unglaubwürdigste Ausrede, leere Flaschen nicht, wie sich′s gehört, zum Container bringen zu müssen, fand einmal ein junger Mann aus der Wohngemeinschaft, in der ich damals lebte. Er hatte nämlich die Angewohnheit, die Reste seiner allwöchentlich stattfindenden Orgien nicht zu beseitigen, sondern in der Küche zu stapeln. Darum gebeten, wenigstens die Pfandflaschen zurückzubringen, lehnte er dieses Ansinnen brüsk ab, weil er, wie er sagte, gerne ein paar leere Flaschen im Haus habe, falls einer seiner Gäste nichts trinken wolle.

6. Februar 2014
von Peter P. Neuhaus
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Ich weiß, was wir neulich getan haben

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Gemeinsam mit der Titanic-Redaktion haben wir am 4.2. den Frankfurter Club Voltaire gerockt. Dort, wo damals die ersten Gedichte der Reimenden Armee Fraktion entstanden und wo der junge Joschka die Reinigungsmittel seiner Putztruppe mit gutem Roten aus der Toskana streckte, dort lasen wir vor der versammelten Frankfurter Literatur-Elite (Buchmesse! Verlage! Sprengmeister!) und faszinierten die trinktätigen Massen. Angela Davis jedenfalls war begeistert – und ließ uns das auch wissen: „Ich war begeistert!“, sagte sie nach der Veranstaltung.

30. Dezember 2013
von Peter P. Neuhaus
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Angekommen

Freunde werden langsam älter.
Und am Tisch, man ahnt es schon,
werden die Gespräche kälter.
Nicht mehr geht’s um Mindestlohn,

nicht um Solidaritäten,
nicht um die Gerechtigkeit,
nicht um Abgeordnetendiäten,
nicht um Klassenkampf und Streit.

Nein, es dreht sich mehr um Sachen
wie die Yogastunde, Kerzen,
darum, was die Kinder machen,
dass der Werner was am Herzen,

dass die Küche von IKEA,
das die Hochzeit schön gewesen,
dass der Rolf ein Fraunversteher,
dass wir Sadomaso lesen.

Werner spielt jetzt Saxophon?
Zweimal Urlaub muss schon sein!
Und Tatjana, weißt Du schon?
Ja, ich weiß. Will noch wer Wein?

Altmaier ist Junggeselle?
Ist nicht wahr! Definitv!
Gibt’s noch was von der Forelle?
Jemand Kaffee? Digestiv?

Lange dauert diese Runde.
Allzuschön ist, was uns hält.
Und noch in der letzten Stunde
wärmen wir uns an der Welt.

Possierlichkeit und Biedermeier,
hoppsa he! – da sind sie ja.
Lang vergessnes Rumgeeier
um Banales – wunnerbar.

17. November 2013
von Tibor Rácskai
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Dem Tod ist alles gleich

Als wir in der 9. Klasse die KZ-Gedenkstätte in Dachau besuchten, war es Winter und der Schnee lag einen halben Meter hoch auf dem Appellplatz. Unser Lehrer fand, dass das so viel anschaulicher sei als im Sommer und tatsächlich froren wir wie die Schneider, besonders einige Mädchen, die die Anweisung, auf feste Schuhe und warme Kleidung zu achten in den Wind geschlagen hatten, der ihnen nun eisig um die Ohren pfiff. Wir besichtigten gerade das Krematorium, da brach D. in Tränen aus. Ihre Freundinnen versuchten sie zu trösten, aber D. heulte noch auf der Rückfahrt im Bus. Der Lehrer griff sich das Mikro und sagte ein paar kluge und mitfühlende Worte von Schuld und Verantwortung, als ihm endlich jemand steckte, dass D. nur deshalb heule, weil vorhin ihr Tamagotchi verreckt sei. Seinen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.

24. Oktober 2013
von Peter P. Neuhaus
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Betreff:
Ihre unverlangte Manuskript-Einsendung vom 17.10.1833

Sehr geehrter Georg B.,
Sie schickten uns Ihr Exposé.

Also, was Sie da so schreiben –
lassen Sie es lieber bleiben!

Alles Mist! Vor allem jener
Kinderkram Leonce und Lena.

Ein Witz, und keiner von den besten:
das mit den Hütten und Palästen.

Ihre Woyzeck-Textcollage?
Hammerharte Vollblamage!

Und das Ding von Dantons Tod:
völlig kopflos, trocken Brot.

Nein, das alles ist ein Graus.
Spannen Sie mal tüchtig aus!

Sie sollten sich den Geist erfrischen.
Machen Sie doch was mit Fischen!

Jedenfalls: Für diesen Scheiß
gibt es nie den Büchnerpreis.

2. Oktober 2013
von Tibor Rácskai
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Pech gehabt

Als ich jung war, da wollte ich später einmal um keinen Preis einen nine-to-five-job haben. Leider ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, denn heute gehe ich einem acht-bis-es-wird-ein-bisschen-später-Job nach.